Testphase für NotrufPlus gestartet – der erste barrierefreie Direktnotruf

Thomas Messerschmidt 01.09.2017 11:51 Uhr
Red. Brandenburg/Havel, redaktion-brb@brawo.de

 

Brandenburg (MZV) (tms) Am 31. August 2017 starteten in der Leitstelle Brandenburg an der Havel Oberbürgermeisterin Dr. Dietlind Tiemann, Feuerwehrchef Mathias Bialek, Mitglieder des Behindertenbeirates sowie die App-Entwickler Michael Naumann und Manuel Eckert von der TH Brandenburg offiziell den Testbetrieb für barrierefreie Direktnotrufe.

Dipl.-Informatiker Manuel Eckert (li) hat die Rettungs-App vollbracht und mit allen Mitentwicklern das System in der Feuer- und Rettungswache in Betrieb gesetzt. © MZV

Dipl.-Informatiker Manuel Eckert (li) hat die Rettungs-App vollbracht und mit allen Mitentwicklern das System in der Feuer- und Rettungswache in Betrieb gesetzt. © MZV

 

Tiemann: “Wir haben uns als Stadt mit der Unterzeichnung der “Barcelona Erklärung’ 2003 zur Chancengleichheit und Teilhabe aller Menschen positioniert. Mit dem barrierefreien Direktnotruf besteht erstmalig die Möglichkeit, dass Bürger mit Behinderung das Notrufsystem nutzen können. Ich bin stolz, dass wir als erste Stadt die technischen Voraussetzungen für einen barrierefreien Notruf mittels einer kostenlosen App schaffen konnten und jetzt in die Pilotphase eintreten.”

Mit der NotrufPlus-App wird erstmals ein barrierefreier Direktnotruf ermöglicht. Leicht verständlich und einfach in der Bedienung. Dabei werden zusätzlich mittels Internetkommunikation Informationen des Notrufenden, wie der per GPS ermittelte Standort und eingepflegte Nutzerdaten an die Leitstelle übertragen. “Unser Server steht in Deutschland. Ihre Daten sind sicher”, versichert App-Entwickler Manuel Eckert. Über eine integrierte Chat-Funktion können weitere Informationen ausgetauscht werden – im direkten Dialog zwischen Helfer und Hilfesuchendem. Per Texteingabe oder via Sprachsteuerung und Sprachausgabe. Das scheint der heutigen Praxis weit überlegen. Denn der tradierte Notruf 112 via Telefon ist nicht für jeden praktikabel, ebenso der Faxnotruf oder die von einigen Bundesländern angebotene SMS-Variante. Auch bei rettenden, meist kostenpflichtigen Vermittlungsdiensten ist weder ein Dialog, noch die präzise Standortbestimmung möglich. Das NotrufPlus-System scheint die Rettung im 21. Jahrhundert. Und was für Menschen mit Behinderungen erdacht ist, könnte schließlich die Bearbeitung von Notrufen aller Bürger effizienter und schneller machen. Denn jede Sekunde zählt!

Zumindest aber gilt es die nun eingeläutete 6- bis 12-monatige Testphase abzuwarten. Der Behindertenbeirat stellt zehn Testpersonen, zu denen sich weitere zehn hinzugesellen können (Infos dazu hat Brandenburgs Behindertbeauftrage Karin Tietz, Tel. 03381-586110, Katrin.Tietz@Stadt-de). Zudem fungieren THB-Studenten als Testpersonen. Auch gilt es im Rahmen des Testbetriebes zu klären, ob NotrufPlus den bisherigen rechtlichen Standard per Telefon oder Fax ersetzen kann.

Vorheriger Beitrag
Pilotprojekt in Leitstelle gestartet: App ermöglicht barrierefreieren Notruf
Nächster Beitrag
Direkte Rettungsdienst-Alarmierung für Menschen mit Behinderung
Menü